Geschichte der Thai- bzw. Siamkatze

Zeichnung einer Siamesenkatze im Zoologischen Garten zu Dresden
gezeichnet von B. Pittrich, veröffentlicht in der 'illustrierten Zeitung' am 20. April 1895

 

Die ersten Beschreibungen über Siamkatzen befinden sich im "National Library" in Bangkok aus dem Jahre 1350. Eine Zeichnung zeigt unverkennbar eine Katze mit heller Körperfarbe und dunklen Points .Sie wird in diesen Aufzeichnungen noch mit Vichien Mas bezeichnet. Früher und heute waren in Siam (dem heutigen Thailand ) die Siamkatzen nur sehr selten anzutreffen weil sie bevorzugt nur vom Königshaus und Hochadel gehalten wurden. Es gab aber auch eine Zucht welche in den Tempeln von Mönchen während vieler Jahre geschaffen wurde.

Um die Siamkatze ranken sich eine ganze Reihe von Legenden, welche man nicht übergehen sollte wenn man über die Siamkatze spricht. Eine dieser Geschichten erzählt zum Beispiel davon, dass die Siamkatze beauftragt wurde, in den Palästen die wertvollen Kelche zu bewachen. Die Siamkatze, die ihre Aufgabe sehr ernst nahm wickelte ihren Schwanz um den Kelch. Nach einiger Zeit des Bewachens der Kelche konnte sie ihren Schwanz nicht mehr gerade bekommen, darum der sogenannte Knickschwanz.

Eine andere Geschichte berichtet, dass die Vorfahren der Siamkatze, die Katze Chula und der Kater Tien, in grauer Vorzeit ganz alleine den goldenen Pokal Buddhas bewachen mussten. Nachdem sie sich gepaart hatten, ging Tien seiner Wege und verließ Chula. Da Chula jedoch sehr verantwortungsbewusst war, ließ sie kein Auge von dem Pokal und schlang auch noch ihren Schwanz um den Fuß des Pokals, damit er nicht gestohlen werden konnte, falls sie doch einmal einschlafen sollte. Nach einiger Zeit brachte Chula ihre Jungen zur Welt. Die Jungen hatten die Eigenschaften, die ihre Mutter während der Bewachung des Pokals angenommen hatte. Die hatten einen Knick im Schwanz und schielten.

Eine weitere Geschichte erzählt davon, dass eine Prinzessin die Siamkatzen als ihre besonderen Lieblingstiere vergötterte. Immer wenn die Prinzessin baden ging, übergab sie ihren Schmuck ihrer Lieblingskatze, damit diese den wertvollen Schmuck bewachen konnte. Die Siamkatze ließ es zu, dass die Prinzessin ihre Ringe über ihren Schwanz schob. Um sich die Zuneigung der Prinzessinnen zu bewahren, bewachte die Siamkatze den Schmuck peinlichst genau und knickte die Schwanzspitze um, damit nichts verloren gehen konnte. Durch die extreme Aufmerksamkeit beim Bewachen, begann die Katze zu schielen und der Schwanz bekam einen Knick.

Noch eine andere Geschichte berichtet darüber, dass alle Siamkatzen, welche in Tempeln lebten, ihre Aufgabe als Beschützer von wertvollen Gegenstände sehr ernst genommen haben. Durch ihr unentwegtes starren auf die wertvollen Gegenstände begannen sie zu schielen. So ranken sich auch Legenden um eine Katze die während der Abwesenheit ihres Mönches den Schlüssel zur Klostertüre bewachen musste.....

Eine der schönsten Geschichten ist wohl die aus dem Buch "Animals and Man von George Cansdale". Darin wird erzählt, dass sich die Tiere während der langen Reise in der Arche Noah sehr gelangweilt hätten. So ist es zu erklären, dass der Affe sich in die Löwin verliebte und mit ihr die erste Katze zeugte, die Siamkatze. Eine Katze mit dem Charakter und der Intelligenz des Affen und dem Mut und der Tapferkeit der Löwin. Während es in früheren Jahren als eine Art Markenzeichen oder Beweis für die Echtheit einer Siamkatze angesehen wurde, wenn sie einen Knickschwanz hatte oder schielte, so sind diese Beweise heute unerwünscht und werden im Standard als Fehler aufgeführt. Wie man heute weiss, handelt es sich bei diesen Fehlern um einen genetischen Defekt, welcher an den Nachwuchs weitervererbt werden kann. Jeder verantwortungsvolle Züchter wird deshalb bemüht sein, Tiere welche diesen genetischen Defekt tragen auszuselektieren und ein weiterverbreiten dadurch zu verhindern.

Nachdem in England zum Ende des 18. Jahrhunderts die ersten Siamkatzen auf Ausstellungen gezeigt und bald auch planmäßig gezüchtet wurden, begannen erst 1927 die ersten registrierten Züchter in Deutschland sich dieser außergewöhnlichen Katze zu widmeten. Es war damals natürlich sehr schwer diese seltenen Exoten zu erhalten. Bei den ersten Katzen, die in ein Zuchtbuch eingetragen wurden, handelt es sich daher meist um Direktimporte aus Siam (Thailand) oder Indochina, oder um Katzen aus den großen Zoos in Europa. Aber auch Siamkatzen aus England und Frankreich trugen schon ihren Teil zur Aufbauarbeit bei. Eine Farbunterscheidung, wie wir sie heute für selbstverständlich halten, gab es in diesen Jahren noch nicht. Die Katzen wurden in Siam-Königskatzen und den Tempeltyp unterteilt. Die Königskatze hatte schwarzbraune Points bei eher hellem Körperfell und war langschwänzig. Dem Tempeltyp gehörten Katzen an, die eine dunklere Rückenfarbe hatten, außerdem waren sie meist stummel - oder knotenschwänzig. Da die Siamesen aus den Zoozuchten häufig dem Tempeltyp angehörten, liegt der Verdacht nahe, daß die dort herrschende Inzucht recht hoch war und zur Manifestation von genetischen Defekten führte, denn fast alle Direktimporte gehörten den Siam-Königskatzen an.

Text: Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Müller, Cattery Star of Thai

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www.whippetszucht.de/artikel-index.htm
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