Die ersten Beschreibungen über Siamkatzen
befinden sich im "National Library" in Bangkok aus dem
Jahre 1350. Eine Zeichnung zeigt unverkennbar eine Katze mit heller
Körperfarbe und dunklen Points .Sie wird in diesen Aufzeichnungen
noch mit Vichien Mas bezeichnet. Früher und heute waren in
Siam (dem heutigen Thailand ) die Siamkatzen nur sehr selten anzutreffen
weil sie bevorzugt nur vom Königshaus und Hochadel gehalten
wurden. Es gab aber auch eine Zucht welche in den Tempeln von Mönchen
während vieler Jahre geschaffen wurde.
Um die Siamkatze ranken sich eine ganze Reihe von Legenden, welche
man nicht übergehen sollte wenn man über die Siamkatze
spricht. Eine dieser Geschichten erzählt zum Beispiel davon,
dass die Siamkatze beauftragt wurde, in den Palästen die wertvollen
Kelche zu bewachen. Die Siamkatze, die ihre Aufgabe sehr ernst nahm
wickelte ihren Schwanz um den Kelch. Nach einiger Zeit des Bewachens
der Kelche konnte sie ihren Schwanz nicht mehr gerade bekommen,
darum der sogenannte Knickschwanz.
Eine andere Geschichte berichtet, dass die Vorfahren
der Siamkatze, die Katze Chula und der Kater Tien, in grauer Vorzeit
ganz alleine den goldenen Pokal Buddhas bewachen mussten. Nachdem
sie sich gepaart hatten, ging Tien seiner Wege und verließ
Chula. Da Chula jedoch sehr verantwortungsbewusst war, ließ
sie kein Auge von dem Pokal und schlang auch noch ihren Schwanz
um den Fuß des Pokals, damit er nicht gestohlen werden konnte,
falls sie doch einmal einschlafen sollte. Nach einiger Zeit brachte
Chula ihre Jungen zur Welt. Die Jungen hatten die Eigenschaften,
die ihre Mutter während der Bewachung des Pokals angenommen
hatte. Die hatten einen Knick im Schwanz und schielten.
Eine weitere Geschichte erzählt davon, dass
eine Prinzessin die Siamkatzen als ihre besonderen Lieblingstiere
vergötterte. Immer wenn die Prinzessin baden ging, übergab
sie ihren Schmuck ihrer Lieblingskatze, damit diese den wertvollen
Schmuck bewachen konnte. Die Siamkatze ließ es zu, dass die
Prinzessin ihre Ringe über ihren Schwanz schob. Um sich die
Zuneigung der Prinzessinnen zu bewahren, bewachte die Siamkatze
den Schmuck peinlichst genau und knickte die Schwanzspitze um, damit
nichts verloren gehen konnte. Durch die extreme Aufmerksamkeit beim
Bewachen, begann die Katze zu schielen und der Schwanz bekam einen
Knick.
Noch eine andere Geschichte berichtet darüber,
dass alle Siamkatzen, welche in Tempeln lebten, ihre Aufgabe als
Beschützer von wertvollen Gegenstände sehr ernst genommen
haben. Durch ihr unentwegtes starren auf die wertvollen Gegenstände
begannen sie zu schielen. So ranken sich auch Legenden um eine Katze
die während der Abwesenheit ihres Mönches den Schlüssel
zur Klostertüre bewachen musste.....
Eine der schönsten Geschichten ist wohl die
aus dem Buch "Animals and Man von George Cansdale". Darin
wird erzählt, dass sich die Tiere während der langen Reise
in der Arche Noah sehr gelangweilt hätten. So ist es zu erklären,
dass der Affe sich in die Löwin verliebte und mit ihr die erste
Katze zeugte, die Siamkatze. Eine Katze mit dem Charakter und der
Intelligenz des Affen und dem Mut und der Tapferkeit der Löwin.
Während es in früheren Jahren als eine Art Markenzeichen
oder Beweis für die Echtheit einer Siamkatze angesehen wurde,
wenn sie einen Knickschwanz hatte oder schielte, so sind diese Beweise
heute unerwünscht und werden im Standard als Fehler aufgeführt.
Wie man heute weiss, handelt es sich bei diesen Fehlern um einen
genetischen Defekt, welcher an den Nachwuchs weitervererbt werden
kann. Jeder verantwortungsvolle Züchter wird deshalb bemüht
sein, Tiere welche diesen genetischen Defekt tragen auszuselektieren
und ein weiterverbreiten dadurch zu verhindern.
Nachdem in England zum Ende des 18. Jahrhunderts
die ersten Siamkatzen auf Ausstellungen gezeigt und bald auch planmäßig
gezüchtet wurden, begannen erst 1927 die ersten registrierten
Züchter in Deutschland sich dieser außergewöhnlichen
Katze zu widmeten. Es war damals natürlich sehr schwer diese
seltenen Exoten zu erhalten. Bei den ersten Katzen, die in ein Zuchtbuch
eingetragen wurden, handelt es sich daher meist um Direktimporte
aus Siam (Thailand) oder Indochina, oder um Katzen aus den großen
Zoos in Europa. Aber auch Siamkatzen aus England und Frankreich
trugen schon ihren Teil zur Aufbauarbeit bei. Eine Farbunterscheidung,
wie wir sie heute für selbstverständlich halten, gab es
in diesen Jahren noch nicht. Die Katzen wurden in Siam-Königskatzen
und den Tempeltyp unterteilt. Die Königskatze hatte schwarzbraune
Points bei eher hellem Körperfell und war langschwänzig.
Dem Tempeltyp gehörten Katzen an, die eine dunklere Rückenfarbe
hatten, außerdem waren sie meist stummel - oder knotenschwänzig.
Da die Siamesen aus den Zoozuchten häufig dem Tempeltyp angehörten,
liegt der Verdacht nahe, daß die dort herrschende Inzucht
recht hoch war und zur Manifestation von genetischen Defekten führte,
denn fast alle Direktimporte gehörten den Siam-Königskatzen
an.
Text: Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Müller,
Cattery Star of Thai
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