| oder wie man ein Pferd geschenkt kriegt :-)
Ja, das ist wirklich eine witzige Geschichte. Mitte 2006 habe ich
eine Gruppe trainiert die aus verschiedenen Reitern bestand, u.a.
war dort eine Reiterin dabei, die eine toll ausgebildete, 22 Jahre
alte, VA-Stute geritten hat. Leider konnte diese Reiterin die Lektionen
nicht so richtig aus der Stute herauskitzeln, worauf ich mal zu
meiner Freundin sagte: eigentlich ist das gemein, dass solche Leute
so ein Pferd geschenkt kriegen - ich möchte auch mal ein Pferd
geschenkt kriegen. Ja, Leute sagt nie einfach so einen Satz daher
:-)))
Eine Woche später ruft mich Regula an. Regula hat bereits einige
Fohlen von Bahadur (sie züchtet im Jura Freiberger und Shagyas)
und wir haben wiederum Tinka von ihr, also eine lockere Bekanntschaft.
Sie klagte mir ihr Leid, dass sie ein tolles Pferd auf der Weide
stehen habe, dass niemand mehr reiten könnte. Wie niemand kann
es mehr reiten? Ja, da seien diverse Unfälle passiert, dann
sei er längere Zeit auf der Weide gestanden, dann habe wieder
jemand versucht ihn zu reiten und sei ebenfalls gescheitert. Er
ist dann zu Regula zurück gekommen, weil die damalige Besitzerin
keine Zeit mehr für ihn aufbringen konnte. Er sollte nochmals
in Profiberitt, doch auch hier gab es schwerwiegendere Probleme.
Nun habe sie ihn wieder nach Hause genommen, weil sie nicht möchte,
dass noch mehr Unfälle passieren, aber wenn er so über
die Weide trabe - dann sei es einfach eine Schande, eine Verschwendung,
dieses Potential nur auf der Weide laufen zu lassen. Da hätte
sie an mich gedacht, ob ich allenfalls Interesse hätte, dieses
Pferd zu reiten....
Ich habe ihr gesagt, dass ich mal vorbeikommen würde, um mir
Shagir in echt an zu sehen, ihn eventuell auch mal 'arbeiten' und
danach entscheiden.
Als wir dort ankamen, durfte ich erst einmal eine Stunde dem Pferd
hinter her laufen, weil er Menschen sah und weg war er. Mit viel
List und Gutzis konnten wir ihn dann überzeugen, dass alles
nicht so schlimm war. Dann versuchte ich ihn zu putzen, oha, die
erste Hürde. Er schlug um sich, egal wo ich ihn anfassen wollte,
er antwortete mit einem Schlag und zwar gezielt nach mir! Nun gut,
sowas reizt mich ja eher, als das es mich abschreckt. Also wurde
solange gestreichelt und angefasst, bis er still stehen konnte.
Allerdings sah ich die Panik in seinen Augen. Schlimm! Ich glaube
ich habe selten ein Pferd gesehen, dass soviel Angst vor den Menschen
hatte. Bin dann am Halfter und Longe mit ihm spazieren gegangen
und hab ihn als ein bisschen um mich traben lassen und ja...da ging
auch mir der Kiefer runter. Das Pferd hat Gänge! Aber Hoppla,
da könnte sich manch Warmblut eine Scheibe von abschneiden.
Genial. Am Ende war er ganz wenig vertrauter, die Panik war etwas
aus seinen Augen gewichen, aber vorsichtig war er dennoch. Wir sind
dann so verblieben, dass ich Shagir für zwei Monate zu mir
nehme. Sollte ich sehen, dass er dann Fortschritte macht und integriert
er sich gut in die Herde, dann darf er bleiben....und Regula würde
ihn mir schenken!
Ein geschenktes Pferd :-o
Die ersten Monate waren hart, denn Shagir war scheu, ängstlich
und gleichzeitig ein Macho der besonderen Art, bullig und ohne Rücksicht.
Mit viel Geduld, noch mehr Bodenarbeit (mit keinem anderen Pferd
musste ich dermassen viel Vertrauens- und Aufbauarbeit machen, wie
mit Shagir), den ersten Gehversuchen im Horseathlon, dem sanften
einreiten (danke mein grosser Teddy, dass du so geholfen hast),
konnten wir Shagir zu einem Reitpferd 'umfunktionieren'. Seine Angst
ist einem grossen Vertrauen gewichen, ein bisschen ruppig ist er
noch, aber auch das ist auf dem besten Weg der Besserung.
Mittlerweilen akzeptiert er sogar andere Reiter als mich, darunter
unser Reitmädel die sonst alle unseren anderen Pferde reitet
und uns fleissig im Stall hilft, auch Roger wird freundlich geduldet...
Nun wird Shagir 1 x wöchentlich auf dem Dressurviereck gearbeitet
und er zeigt dabei einen extremem Lernwillen und vor allem lernt
er jetzt sehr schnell, als ob er die 'verlorene' Zeit aufholen möchte.
Beispiel gefällig? In nur 3 x üben konnte er bereits den
spanischen Schritt, beidseits, vom Boden aus verlangt....
to be continued...
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