Berichte von ausgesuchten Ritten

 

Faido 21. Juli 2001

Am Samstag den 21. Juli war es endlich soweit, Phöenix und ich bestritten unser erstes Distanzrennen in Faido, wie habe ich mich darauf gefreut! Auf der Karte waren nicht weniger als 91 km eingezeichnet, mit Höhendifferenzen von 670 bis auf über 1900 m.ü.M., insgesamt überwanden die Pferde an die 5'000 Höhenmeter! Aber das sollte ja kein Problem sein für meine kleine "Bergziege" Phöenix, wie es sich im Laufe des Rittes zeigte.

Bereits am Donnerstag Abend packten wir alles zusammen, was da so zusammenkommt, Auto und Hänger waren schlussendlich voll beladen. Freitag morgen dann schnell Phöenix von der Weide holen und füttern, danach einladen und losfahren Richtung Faido. Die Fahrt dauerte etwas mehr als zwei Stunden, wir hatten nicht mal Stau am Gotthard. Brigit und Kouhnama sowie unsere Grooms Nicole und Tania waren schon da. Daher war der Paddock bereits abgesteckt und wir konnten Phöenix erstmal neben Kouhni stellen. Ganz begeistert stand er im kniehohen Gras, er musste sich nicht mal bücken um zu fressen. Zelt aufbauen, alles Zubehör aus dem Hänger ins Auto rein und dann mal mit Brigit den Ritt besprechen. Um 17.00 Uhr sind wir mit Phöenix und Kouhni zur Voruntersuchung gegangen. Diese bestanden mein kleiner Flitzer als auch die erfahrenere Kouhnama wie gewohnt ohne Probleme, sodass dem Start am Samstag morgen nichts mehr im Wege stand. Nach einem gemütlichen Nachtessen für alle ging es dann auch schon ins Bett. Schlafen konnte ich vor lauter Aufregung kaum, bin immer wieder aufgewacht und hab meinem Pferd zugesehen, wie es friedlich im Paddock lag und schlief!

Mitten in der Nacht, um 4.00 Uhr ging dann der Wecker. So früh aufzustehen, braucht denn doch noch Überwindung, aber was macht man nicht alles. Bisschen kaltes Wasser ins Gesicht und schon war ich munter. Frühstück für mich, Phöenix hatte seines bereits vor Stunden und dann ging es auch schon ans satteln und zäumen. Beide Pferde liefen bereits seit einer halben Stunde im Schritt zum aufwärmen. Um fünf Uhr startete die erste Gruppe zur Schweizermeisterschaft und das gab dann doch ziemlich Aufregung, beide Pferde wussten, um was es ging, und wollten am liebsten gleich hinterher. Endlich, um halb sechs war der Start zu unserem Rennen. Massenstart – und tschüss! Gleich auf den ersten sechs Kilometern erwartete uns eine arge Steigung, es sollte aber nicht die letzte sein an diesem Tag. Wir liessen unsere beiden Vierbeiner laufen, wie sie mochten, war ganz schön irre! Am ersten Groompoint waren unsere Grooms noch nicht mal zu sehn. Na gut, weiter im gleichen Takt. Bei Kilometer 10 schaute ich auf die Uhr....huch: nur eine halbe Stunde, wir waren ziemlich schnell und schienen den Rest erstmal distanziert zu haben. Danach ging es einige Zeit lang bergab und wir liessen unsere Pferde ruhiger laufen. Jetzt kam die erste Steigung auf über 1800 m.ü.M. und unsere Pferde attackierten den Berg wortwörtlich. In diesem Teilstück überholten wir dann die hintersten vom 120 km Rennen. Die beiden trabten locker bis kurz vor der ersten Anhöhe, da es aber stetig anstieg parierten wir in den Schritt. Auf unserem Weg 'nach oben' passierten wir verlassene "Sommerdörfer", idyllische Lärchenwälder und (noch) leere Alpweiden. Kurz nach dem dritten Betreuerpunkt konnten wir den ersten Alpauftrieb überholen, allerdings hatten die Kühe mehr Angst vor uns als umgekehrt. Dann endlich die Mittelstation der Luftseilbahn, diese Steigung war gemeistert. Was hochgeht geht unweigerlich auch wieder runter! Auf dem Abstieg wurden wir wieder ruhiger, da wir die Beine unserer Pferde nicht überstrapazieren wollten. Immer wieder sind wir neben den Pferden hergejoggt um sie zu schonen. Und plötzlich, hinter einer Kurve, der zweite Kuhtrieb. Über hundert Kühe, diesmal aber schon auf ihrer Weide. Weide auf, mit den Pferden rein, Weide zu und dann mitten durch die Kühe durch. Den Rest der Strecke bis zum Vet Gate (Zwischenkontrolle und Zwangspause) ging es dann nur noch bergab. Etwa zwei Kilometer vor dem Vet Gate haben wir uns denn entschieden im Schritt weiter zu laufen, damit der Puls runter kam und wir ohne lange Wartezeit in die Kontrolle konnten. Leider haben wir unsere Verfolger unterschätzt, die nutzten unsere (zu) lange Schrittphase um aufzuschliessen und schliesslich gemeinsam mit uns ins Vetgate einzulaufen. Alle vier Paare haben dann ihre Pferde gleichzeitig gezeigt und sind gleichzeitig durchgekommen, das hiess wir würden zu viert wieder losreiten. Während der Pause wurden wir und unsere Pferde einwandfrei von unseren Grooms versorgt. Alle wirklich alle mussten trinken, etwas (fr)essen und sich etwas ausruhen von den Strapazen. Eigentlich hatte ich vor, in dieser Pause mein Sweatshirt auszuziehen und nur noch im T-Shirt weiter zu reiten, verzichtete aber dann doch darauf (was sich später als Fehler erwies). Schon waren die vierzig Minuten Pause vorbei und wir standen frisch und munter am Start bereit.

9.45 Uhr: Start zum zweiten Streckenabschnitt und gleichzeitig zur nächsten Steigung, diesmal auf über 1900 m.ü.M. Wir starteten zu viert, doch schon nach einigen hundert Metern waren Brigit und ich wieder alleine und stachen den Berg an! Es ging recht flott, unsere Partner hatten sich enorm gut erholt in der Pause. Um 11.00 Uhr waren wir auf dem Berg und genossen die herrliche Aussicht bei diesem schönen Wetter. Von da an hatte die Sonne eine Kraft.... es wurde heiss! Auf dem Weg wieder zurück ins Tal kamen uns dann zum dritten mal Kühe entgegen. Diesmal waren es weit über hundert! Auf einer Bergstrasse, links senkrecht hoch, rechts senkrecht runter. Die Kühe hatten einen solchen Respekt vor uns, dass es einen Stau gab (die standen zu viert nebeneinander vor uns!) und von hinten wurden sie von drei Sennen getrieben! Eine Kuh hatte sich vor mir quer gestellt und wurde von den folgenden vorwärts geschoben, da wurde mir schon etwas mulmig! Schliesslich traute sich dann die erste an uns vorbei, und dann folgten alle anderen. Also weiter im Takt den Berg runter. Vom Groompunkt fünf aus (der war am Fusse des Berges) war eine wundervolle, lange Strecke mit leichter Neigung auf gutem Geläuf, da liess es sich herrlich vorwärts galoppieren. Erst als wir bei Kilometer 70 vorbei waren, kamen doch noch weitere kleinere (die es aber in sich hatten) Steigungen auf uns zu. Die ersten packten mein "Bergfloh" und Kouhni ohne Probleme. Als dann aber die Steigungen über Felsen hochführten, spürte ich langsam aber sicher die Hitze. Gleichzeitig hatte Phöenix auch einen kleineren Einbruch. Durch den Hitzestau konnte ich Phöenix nicht mehr optimal unterstützen und motivieren. Bei Kilometer 83 schickte ich Brigit dann alleine weiter, denn unsere Verfolger waren wieder ziemlich nahe. Es wäre doch schade gewesen, diesen Vorsprung nicht zu nutzen, oder?! Mit grossem Bedauern, dass sie uns nicht aus unserem „Loch“ zu helfen vermochten, haben uns also die beiden an der Stelle verlassen, aber auch das gehört manchmal zu diesem Sport.

Ich selbst bin abgestiegen und fast den ganzen Rest zu Fuss neben meinem Pferd hergelaufen. Schon wenige Meter später überholten mich dann auch die Verfolger, ich liess sie passieren. Beim nächsten Groompoint hatte Sabine dann die Idee, mal mich zu kühlen! Flaschenweise wurde das kühle Nass meinen Rücken runtergekippt, ins Gesicht, einfach alles genässt. Danach ging es mir sehr viel besser und ich konnte mit neuer Motivation das Rennen zu Ende bringen. Im Ziel haben dann auch schon alle aus unserer Truppe auf mich gewartet und uns auf den letzten Metern angefeuert. Phöenix wieherte, als er das Empfangskomitee inkl. Kouhni sah und offerierte mir Galopp, ich liess ihn gewähren und so überquerten wir die Ziellinie glücklich. Irgendwie war ich froh, war der Ritt vorbei...

Brigit hatte es geschafft, ihren Vorsprung zu halten und als erste ins Ziel zu kommen. Ich kam wohl als vierter an, da aber die Judith leider in der Schlusskontrolle eliminiert wurde, konnte ich noch auf den dritten Platz vorrücken!

Es war ein tolles Erlebnis, diese Wege über Wurzeln, Geröll, Felsen, hunderte von Wasserrinnen, vorbei an Kühen, durch Bergbäche, unter der Autobahn durch und entlang des Ticino diesen herrlichen Ritt zu meistern.
Ich bin enorm stolz auf unsere Leistung, vor allem die meines 142cm grossen Wallachs und wünsche mir, dass dieser Ritt uns allen erhalten bleibt! Was für eine Herausforderung für Pferd und Reiter, nicht umsonst heisst der Ritt "Challenge San Gottardo"!

Einen Riesendank an den Veranstalter und vor allem an meine Grooms, ohne die wir es wahrscheinlich nicht so bravourös geschafft hätten! DANKE

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Gossau 7. April 2002

Es war das dritte mal, das wir an diesem Anlass teilgenommen haben. Zum Glück war das Wetter dieses Jahr besser als letztes Jahr (damals hatte es geschneit, was das Zeug hielt).

Also bei teilweise wonnigem Wetter fand um sieben Uhr die Voruntersuchung, auf einem Kiesplatz, statt. Phöenix hatte einen Puls von 58 Schlägen, er ist halt schon ein ziemlich nervöses Pferd, tja. Dann wurde Phöenix gesattelt, auf der Wiese neben dem Kiesplatz warm geritten und danach gings an den Start.

8:04 los geht’s auf die ersten 35 km. Phöenix trug die Schuhe von Old Mac’s, wir hatten diese Schuhe zur Verfügung gestellt bekommen um sie in unserem Sport zu testen. Die 35 km gingen grösstenteils über Mergel- bzw. Kiesstrassen quer durch Wälder, da es in der Mitte der Strassen oft Sand hatte, konnte man gut galoppieren. Aber es hatte auch gefährliche Stellen, an denen der Kiesweg in Teerstrasse übergeht und meist gleich auch noch eine enge Kurve dabei ist. Das Gelände ist eher flach, es hat nach etwa 28 km eine einzige ernst zu nehmende Steigung, das wars dann. Und dann war denn etwa 3 km vor dem Ziel das einzige Grasstück..... auf dem man Schritt gehen musste. Die letzten Jahre hatte es immer Nebel bzw. hatte es geschneit, deshalb ist mir nie aufgefallen, dass wir zum teil zwei bis dreimal an fast derselben Stelle vorbei kommen, fand ich noch witzig!

Nach gut zwei ein halb Stunden waren wir dann in der Zwischenkontrolle angekommen. Schnell Phöenix abschwammen und pulsen, dann rein in die Kontrolle. Der Tierarzt nahm es ziemlich genau, und schaute auch alle vier Beine bzw. Fesseln gut an, zum Glück. Phöenix war an allen vier Fesselbeugen wund von der Naht (da wo der Schaumstoffring am Deckmaterial angenäht ist) am Hufschuh. Wir haben ihm gesagt, dass wir die Schuhe wechseln (Easy Boots), dann durften wir doch weiter.

Auf der zweiten Runde, es war ja schon gegen Mittag, waren dann viele Fussgänger unterwegs, was halt schon hinderlich ist. Aber mit der zeit gewöhnt man sich daran, und wenn die Fussgänger denn auch noch freundlich sind, stört es kaum mehr. Eine einzige Ausnahme musste ich erleben, und zwar war dies eine Radfahrerin, welche reklamierte, ob wir Distanzreiter nicht im Schritt kreuzen können. Sie ist ja auch einfach an mir vorbei gefahren!? Nichts desto trotz, war es eine gute Sache, dieser Ritt.

Nach 5 Stunden und 23 Minuten hatten wir wenn das Ziel erreicht. Dies ergibt eine Reitzeit von 4 Stunden und 53 Minuten, sprich wir haben die 70 km in einem Tempo von 14.33 km/h absolviert. Bei der Schlusskontrolle hatte Phöenix einen Puls von 48, was eine sehr guter Wert ist für ihn. Mit den Easy Boot hatte er übrigens keinerlei Probleme gehabt.

Nachdem wir dann Phöenix versorgt haben, mussten wir leider auch schon fahren, da wir noch andersweitig zu tun hatten. Ich persönlich finde es schade, dass man nach dem Ritt fast drei Stunden auf die Siegerehrung wartet, aber vielleicht geht das nicht anders.

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Kreuth 21. Sptember 2002

Am 21. September 02 nahm ich mit meinem 142 kleinen Schimmel Phöenix an der CEI* in Kreuth teil. Der Ritt war ein tolles Erlebnis! Schönes Wetter, gutes Geläuf und tolle Atmosphäre!

Als ich vor einem Jahr am 120-er startete lief alles verkehrt: Mein Pferd fand in dem ganzen Turnierrummel keine Ruhe, dadurch frass er nicht, soff nicht und schlief auch nicht. Am Samstag als denn das Rennen war, war er nicht zu bremsen, und so überanstrengte er sich und wir wurden eliminiert.

Dieses Jahr haben wir dann alles besser gemacht. Wir sind mit seinem besten Freund angereist, die beiden standen nebeneinander im Stall und so konnte Phöenix immerhin fressen, saufen und ja sogar schlafen!

Da Phöenix in den letzten Jahren immer wieder Probleme mit den Hufeisen hatte, hatten wir dieses Jahr komplett auf diese Art Hufschutz verzichtet, stattdessen sind wir die ganze Saison mit Hufschuhen geritten. Das war eine gute Sache. Damit diese Schuhe auch sicher halten, habe ich mir dann einen Spezialschaum gekauft und die Schuhe mit diesem gefüllt. Die Schuhe kriegt man von Hand kaum runter.

Um das Problem des Bremsens in Griff zu kriegen habe ich mit ihm diesen Sommer einige Dressurkurse besucht, und so ist er nun auch einfacher unter Kontrolle zu halten.

Also, da ja dieses Jahr alles besser war, sind wir am Samstag morgen voll motiviert gestartet. Er lief wie ein richtiges Distanzpferd laufen sollte... gelassen, gehorsam, schwungvoll, elastisch und sehr motiviert. Wir kamen als zweite (einiges zu früh) in erste Vetgate. Wegen der 16 km/h Grenze mussten wir aber ziemlich lange warten, und so hatten einige Konkurrenten aufgeholt. Auf der zweiten Phase hat Phöenix dann den ersten Schuh verloren. Ich war sehr überrascht und konnte den Schuh auch nicht mehr finden, denn Phöenix lief einfach weiter ohne dass ich das merkte. Als ich es merkte hab ich ihm schnell den Ersatzschuh angezogen und wir ritten weiter. Als ich am nächsten Trosspunkt angelangt bin, sah meine Sabine dass er an der Hinterhand noch einen Schuh verloren hatte (das hab ich nun gar nicht gemerkt)... sie zog ihm noch einen Ersatzschuh an und ich ritt so zur zweiten Pause. Dort kam ich noch als zweiter an. In der Pause haben wir dann an den beiden Hufen die Schuhe neu ausgeschäumt und los gings auf die dritte Phase. Er war wirklich enorm mein kleiner Flitzer... er lief und lief und lief... Wir kamen als wieder als zweite ins letzte Gate. Unterwegs hatte er schon wieder den Schuh vorne links verloren gehabt, diesmal hab ich das aber gleich gemerkt, den verlorenen Schuh aufgehoben und den letzten Ersatzschuh angezogen. Ich sagte in der Pause zu meiner Sabine, dass ich einfach weiterreiten würde, sollte ich den Schuh wieder verlieren. Als ich aber dann wieder los geritten bin und kurz nach dem Vetgate zum erstenmal den Schuh verlor, dachte ich bloss: wenn er nun noch 15 km bis ins Ziel ohne Schuh am linken Huf laufen muss, ist das Risiko hoch, dass er sich was tut und nicht mehr gerade geht. So habe ich angehalten und den Schuh wieder angezogen... und wieder und wieder... so cirka zehn mal! Dann hatte ich die Nase voll, nahm den Schuh an mich und ritt ohne Schuh weiter. Ich hatte natürlich viel Zeit verloren und wurde von einigen Teilnehmern überholt. Irgendwann (als Phöenix mir sagte dass er Mühe hat) zog ich ihm den Schuh dann doch wieder an. Am nächsten Trosspunkt wurde ich dann von meiner Sabine darauf hingewiesen, dass ich sagte ich würde einfach weiterreiten... das hab ich nachher auch getan, denn ich habe den Schuh erneut verloren.

Wir sind heil als sechste ins Ziel gekommen und Phöenix machte an der Endkontrolle einen gewaltigen Eindruck und ging auch gerade! Ich war so stolz!

Nun aber der Grund weshalb dieser Text den Titel Hilfsbereite Teilnehmer/-innen und Grooms“ trägt. Nach dem Rennen wurde mir gesagt, dass alle drei Schuhe, die ich verloren hatte von Mitstreitern oder deren Grooms aufgesammelt und am Ziel abgegeben wurden.

Für diese nicht selbstverständliche Unterstützung möchte ich mich mit diesem Schreiben ganz herzlich bedanken. Nahmen diese Reiter doch Zeit- und Schwungverlust in Kauf um Gegenstände einzusammeln die irgendjemand verlor, den sie ja nicht mal kannten. Ich selbst werde in Zukunft diesem Vorbild folgen und unterwegs verlorene Gegenstände aufsammeln und am Ziel deponieren.

Ach ja... Phöenix wird nun doch wieder beschlagen (versuchsweise).

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Stuhr 19. Oktober 2002

Ja wo soll ich nur anfangen? Mein Mann hatte sich zum Saisonziel gemacht in Stuhr den CEI** 120 km zu reiten und in der Wertung zu beenden. Wir haben Phöenix entsprechend das ganze Jahr über aufgebaut und trainiert. Nachdem er auf den letzten Ritten dauernd seine easyboots verloren hat (fragt mal Peter Baumann, hihi), wurde er für Hanau und Stuhr nochmals beschlagen. Zum Glück!

Also wir nach einer 850 km Fahrt und endloser Sucherei endlich den Stall gefunden hatten (eine etwas genauere Karte wäre wirklich von Vorteil gewesen), war ich doch ziemlich geschockt. Also sowas habe ich noch nie gesehen und ich bin nicht unbedingt ein verwöhnter Reiter. Naja, lassen wir das, immerhin waren die Boxen sauber gemistet und gut eingestreut und Phöenix schien sich durch Äusserlichkeiten nicht beeinflussen zu lassen. Unser Hotel, bzw. Restaurant mit Doppelzimmer war da schon nobler (drum wohl auch der Name, Nobel).

Freitag morgen sind wir ebenfalls ziemlich durch die Gegend gefahren, ich wundere mich heute noch, dass ich die Trosspunkte gefunden habe, die ich mir ausgesucht hatte! Na wenigstens waren da immer wieder gelbe oder weisse Striche am Boden, an den Bäumen (super, im Herbstlaub) oder an Verkehrsschildern. Alles sehr gewöhnungsbedürftig. Aber die Strecke sah super aus und ich denke sie hat für vieles entschädigt. Ich war doch neidisch auf Roger, dass er hier reiten durfte. Wie gern hätte ich mein Pferd dabei gehabt, wir lieben sandigen Boden! Das Teilnehmerfeld war gross (für uns) und bunt gemischt was die Nationalitäten betraf, Schweden, Holland, Polen, Italien und Schweiz, neben den Deutschen.

Der Massenstart lief geregelt ab und bereits am ersten Trosspunkt sah ich wen als ersten ankommen? Ja genau, meinen Mann mit Phöenix - und das obwohl er langsam reiten wollte *hüstel* ach ja? Bis ins erste Vetgate hatte sich eine kleine Gruppe gebildet, Belinda, Blanca, der Italiner, Arnolds und mein Mann....die erste Runde wurde in wahnwitzigen 20 km/h geritten und ich denke, dass war der Anfang vom Ende vieler Reiter. Der Boden animierte zum schnell reiten, aber ein Sandboden fordert seinen Tribut. Es gab stellenweise immer wieder sehr tiefen Sand und wer da nicht bedacht durchritt, hatte bald ein lahmes Pferd. Fast alle Pferde die ausgeschieden sind, sind wegen Lahmheit raus...... Phöenix und Roger waren auf jeden Fall super unterwegs und konnten auf der zweiten Runde ein bisschen entspannen. Zusammen mit Blanca gingen die vier die zweiten 60 km etwas ruhiger an. Sie wurden bald von der Polin und Klaudia überholt, aber was solls. Ich denke es wurde immer wichtiger, dass Phöenix den Ritt in der Wertung beenden konnte. Das war ja eigentlich unser ursprüngliches Ziel! Am letzten Vetgate waren die ersten zwei schon wieder unterwegs, die Polin, Blanca und Roger waren ziemlich nah aufeinander. Ich sag euch, trossen an so einem Ritt ist nervenzerreissender als selber reiten. Was haben wir gezittert! Wer kommt als nächster um die Ecke? Ist es Roger, Blanca oder die Polin? Blanca hat zugelegt und Roger hinterher, fast hat er die beiden eingeholt. Knappe 20 Sekunden später kam er ins Ziel, geschafft!

Wir haben uns dann sofort um Phöenix gekümmert, der sah übrigens ein klein bisschen müde aus, aber immer noch ganz wach im Auge. Dieser 142-kleine Flitzer hatte immer noch Power. Bei der Endkontrolle hatte er dann prima Werte, eigentlich die gleichen wie in der Eingangskontrolle, Wahnsinn. So wie es aussah, war Roger fünfter geworden.....verrückt! Da geht man ohne grosse Ambitionen vorne mitzureiten und alles kommt anders als man denkt! Und dann die noch grössere Überraschung am nächsten Morgen! Blanca und Roger sind einen Platz nach vorne gerutscht, weil der Polin ein Kontrollstempel fehlte (abgekürzt??) und sie Strafminuten erhielt. Somit konnte Roger seinen ersten Pokal empfangen UND Preisgeld....was hat er sich gefreut.

Also für mich ist eines klar, die Stallungen lassen schwer zu wünschen übrig, aber alles andere hat dafür entschädigt! Die Tierärzte waren hilfsbereit und kompetent, die Stewards halfen wo Hilfe nötig war, die Strecke wurde auch von Roger (also Schweizer) gefunden und die Strecke war eine der schönsten die er dies Jahr geritten ist - seine Worte.......

Also denke ich, ein grosses Dankeschön an alle die den Ritt möglich gemacht haben!Und ein noch grösseres Dankeschön an meine Mitstreiter, sprich Trosser die mich so tatkräftig unterstützt haben, alleine hätte ich das niemals geschafft!!!!

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Birstein 12. Juli 2003

Am Donnerstag morgen sind wir von Stadum nach Birstein gefahren, Autobahnen waren praktisch frei, nur um Kassel rum gabs ein kleines Gestehe, war aber nicht schlimm. In Birstein angekommen sind wir fast am Platz vorbeigefahren, weil es noch nicht so gut ausgeschildert war. Dann aber endlich da. Es war atemberaubend! Wir waren auf einem Plateau oben, eine absolut ebene Wiese und diese war geviertelt. Da waren Paddocks abgetrennt und jedes Pferd erhielt einen 10 m breiten Paddock! Da wir zwei Pferde hatten, hatten wir also 20 m Platz für Paddocks, Hänger und Auto! Pferde ausgeladen, angebunden und Paddock gesteckt. Auweia, die Pfähle fast nicht reingekriegt, so hart war der Boden. Dann mal alles ausgeräumt und Pferde geputzt und gesattelt und mal bisschen reiten gegangen. Birstein ist das grösste zusammenhängenden Vulkangedings in Deutschland, sprich, es geht dauernd hoch und runter! Mit Wälder und Wiesen, eine tolle Landschaft. Die Wege waren aber pickelhart, hart, hart. Wir sind nur kurz reiten gegangen und haben dann die beiden wieder ins Paddock gestellt. Phöenix war genial! Er frass viel (!!) und hat auch gut getrunken. Freitag haben wir dann bisschen geschlafen, bis Phöenix uns durch sein scharren weckte. Dann waren wir nochmals reiten, diesmal in eine andere Richtung. Aber überall dasselbe, selbst im Wald, der Boden war steinhart!!!!! Gegen drei Uhr haben wir dann Phöenix gezeigt, alles paletti. Danach einkaufen und dann wenigstens die GP's der 40 km Schlaufe abfahren. Ohjemine, bis ich die Karte im Griff hatte *seufz*, ich werde älter! Dann kam Sigrun (nach wievielen Staustunden?) und wir haben bisschen besprochen und schon kam die Vorbesprechung des Rittes. Ging bis nach zehn Uhr *gähn*, ab ins Bett und versuchen zu schlafen! Ach ja, nachdem wir in den Ferien gnadenlos verregnet wurden, schien hier seit Donnerstag eine erbarmungslose Sonne! 35 Grad! Nachts kam dann ein Wind auf und ich schlief sehr schlecht weil ich dauernd aufstand, da es nach Regen tönte. Hab dafür Phöenix immer wieder gefüttert und der Kerl hat wahrhaftig ALLES gefressen! Wow! Ob er wusste was ihm bevorstand????? Übrigens, die Reisekur mit Badu hat ihm gut getan! Er war wie immer.....super!

Um vier Uhr dann auf, ich hab Phöenix geputzt, gesattelt und bin losgelaufen! Heee, ich war die einzige!!!!!!! Ich habe Phöenix vierzig Minuten lang geführt bis endlich mal jemand noch am führen war! Andere sind gar erst zehn Minuten vor dem Start aufs Pferd rauf und dann gleich losgebrettert?!?! Schande! Wir haben abgemacht, dass Roger hinter dem Feld startet, liess sich super machen, da der Start durch eine Hecke versteckt wurde. Roger hat Phöenix dann oben bei den Paddocks warmgeritten, dann war der Start und er ist runter. Klaudia al Samarai hatte dieselbe Idee und ritt kurz vor Roger los. Hmmm, Phöenix sah die beiden und wollte hinterher, aber da die Strecke sehr kurvenreich, waldreich und anderes war, verloren sie sich dann doch aus den Augen! An den ersten beiden GP's hatten wir noch viele Pferde gesehen, danach waren Sigrun und ich alleine unterwegs.....und zockelten den anderen hinterher :-) Roger sah anfangs griesgrämig aus, Phöenix war wohl am pullen. Dann lichteten sich seine Züge, aha, Phöenix gehorchte wohl nun endlich. Beim Trot-by kamen die beiden genial an und die Vets waren begeistert wie Phöenix lief! (kleine Bermerkung am Rande, da ritt eine an uns vorbei, mit nur drei Eisen! Ich nahm an, die hielt an, ritt dann aber weiter und mehrere Kilometer danach fiel den Grooms, dann erst auf dass das Eisen fehlt!!!!!!! Schande!!!!). So ging das also Kilometer um Kilometer weiter. Sigrun und ich hatten doch argen Stress, da wir versuchten die beiden möglichst viel zu betreuen und die Punkte doch sehr eng aufeinander lagen. Speziel im Vetgate, als wir das erste Mal reinkamen, hyperte Phöenix sofort los, oh ich bin wieder hier *wieher* Bahaaaaaduuuuur, wo ist du *zappel*. Der Puls hüpfte von 88 auf 56 auf 97 auf 65 *grummel*. Sigrun, hol mal den Badu bitte. Kaum war Badu da, Puls runter. Zeigen, alles gut, Pause. Weiter gings. Kurz vor dem Ende der zweiten Runde (also da waren 40, 35, 30, 20, 20, 15) sahen Roger und Phöenix schieter aus. Phöenix wollte nicht so recht trinken und Roger hatte wohl zu heiss, es fing langsam an zu brettern vom Himmel runter. Ich gab Phöenix etwas mehr vom GL und Roger wurde aufgemuntert. Bis ins Gate rein sah Phöenix wieder gut aus und in Gegenwart von Badu frass und trank er auch ordentlich. Hingegen war Roger nicht so munter. Raus auf die nächste Runde meinte ich zu Sigrun, ok, wir kühlen nun Phöenix UND Roger. Schütteten ihm das Wasser übern Helm, in den Nacken, spritzten ihn an und siehe da, Roger wurde wieder munterer! Dann gabs noch Energieriegel (Kommentar Roger, die schmecken Scheisse, hihi) und auf einmal gings wieder aufwärts. Phöenix trank supergut, an jedem Halt soff er seinen Eimer fast leer und lief wie ein Uhrwerk, sehr regelmässig, sehr kontinuierlich. Immer sehr gleichmässig auch in den Rundenzeiten. Tja und dann? Waren Sigrun und ich auf einmal nicht mehr die einzigen Grooms, irgendwie hatte Roger doch tatsächlich drei Reiter in den Vetgates überholt.....denn auf der Strecke hatte er niemanden überholt. Na sowas?!?! So kamen wir also in das nächste Gate rein, diesmal waren wir alleine - und Sigrun stand mit Badu schon da. Da kam die Ground Jury, wer dieses Pferd sei? Ja unseres. Ja, aber der habe keine Nummer, ja der geht auch nicht. Ja dann muss er raus in den Paddock. Auweh.....Scheisse..... na gut, was will man machen. Badu also weg, Phöenix fängt an zu krähen. Ich nur zu Roger, pass auf, der ist nun müde genug, der gibt gleich Ruhe.....und tatsächlich, wie verschwanden hinter das Hüttchen und Badu ins Paddock und Phöenix gab Ruhe. Wir gingen dann wieder zum selben Tierarzt wie vorher und er horchte und Phöenix wieherte und er horchte und Phöenix wieherte und hatte dann 60 und 62 (RRi) *wurgs*. Er meinte dann, ich möchte ihn nochmals sehen, zehn Minuten bevor. Ok....

Nach hinten, Phöenix und Roger betüdeln. Phöenix frass und frass und witzigerweise wollte er nur Hafer, Hafer und nochmals Hafer! Nachdem er den aussortierte, hab ich nur noch reinen Hafer gegeben und den hat er wie ein Hamster gefressen, mit vollen Backen und mit Genuss!! Nach 20 Minuten hab ich ihn dann am Halfter nochmals gezeigt. Roger stand das nervlich nicht durch, so gingen Sigrun und ich, Roger blieb am Paddock, im Schatten sitzen (wir durften in der Pause immer mit den Pferden in die Paddocks!!). Wieder untersuchte ihn der Pole, diesmal war Phöenix total ruhig und Puls unten auf 50. Guckt er uns an, a very good horse, he has only some mental problems *kicher*, jaja ich denke das wissen wir, oder??? Auf jeden Fall war wieder alles auf A! Roger war auch wieder munterer, er hatte ein alkoholfreies Bier getrunken. Scheint schon so zu sein, dass es ein super isotonisches Getränk ist!!!! Und wieder trabten die beiden zufrieden los!!! Sigrun und ich kamen langsam in Siegerstimmung! Die beiden sahen momentan echt Klasse aus, Phöenix lief genial, die Tiefs schienen überwunden und sie waren beide voller Elan.....die schaffen das!!! Die schaffen das, wir waren ja soooooo überzeugt! Die 20er Runde liefen die beiden in guten 1.5 Stunden, wieder sehr regelmässig und voller Harmonie. Ins Vetgate rein hatten wir Phöenix ganz ohne Badu innerhalb von sechs Minuten unten.....und da blieb er auch.

Rein und ich wünschte mir wieder den Polen (von wegen mental Problems, falls er wieder wiehert, hihi) und weil die auch alle arbeitslos waren....Puls war super. Metabolische Werte ebenfalls -vortraben - sehr gut - RRi gleichbleibend. Ok, Pause. Wieder frass Phöenix wie ein Scheunendrescher, wir massierten ihn, massierten Roger. Er trank auch gut. Alles sah so gut aus. Dann der Re-Check. Wieder gingen Sigrund und ich ins Gate und Roger blieb hinten. Ich musste Phöenix regelrecht nach vorne ziehen, oha......wir liefen dann einen Moment und er kam, aber doch zögerlich. Hmmmmmm.... er horchte den Puls, prima, befühlte Muskeln, sehr gut, alles locker, ok vortraben. Kaum trabte ich an, stolperte Phöenix und tickerte von dannen, mir blieb das Herz stehen!!!! Oh nein, bitte nicht. Wenden, traben, tickert! Scheisse! Hmmmm, der Tierarzt guckt mich an, wir müssen nochmals, aber mit allen Tierärzten! Ich trabe nach hinten, diesmal tickert Phöenix deutlich auf dem linken Vorderbein.....ich breche ab und komme im Schritt zurück! Nein, dass muss nicht sein, Phöenix war so genial bis dahin.....der Tierarzt guckt mich an - retired? Ich guck Sigrun an und denke kurz an Roger - ja bitte - wir ziehen Phöenix zurück! Er war begeistert, gratulierte uns und dann applaudierten alle anwesenden Zuschauer - aber wie! Schade, aber eine
Klasse Leistung bis dahin! Für Phöenix war es wie ein super Zieleinlauf und Schlusskontrolle! Ein Glück habe ich ihn nur am Halfter gezeigt...... Roger war irgendwie nicht mal entäuscht, ein klein bisschen wohl, aber ich denke der Stolz war dann doch grösser! Sie hatten immerhin 125 km geschafft......sehr schwere 125 km!

Wir sind 125 km weit gekommen, mit einem Phöenix der sauber durch allerschwerstes Gelände bei erbarmungslosen Temperaturen lief! Wir hatten ab 12 Uhr lockere 30 Grad und mehr! Immer sehr trocken! Die beiden haben zwei Tiefs eindrucksvoll überwunden und Phöenix kam ins Ziel, locker wie kein anderer - der wäre auch weiter gelaufen! Wir haben nichts gefunden, und die Vets meinten danach auch, am Huf, entweder ein Stein oder sonstwas....da heute eh der Schmied kommt werd ich das mit ihm diskutieren, denn die Zehe wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Ich bin sehr stolz auf die beiden und wir waren uns einig, dass sie das Zeug haben einen Hundertmeiler zu laufen! Offenbar hatten sie sich aber einen der schwersten zum anfangen ausgesucht!

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